Die Glocken im Glockenturm

Der Glockenturm steht, wie an vielen anderen Kirchen in Ostfriesland, in einigem Abstand neben der Kirche, hier in Greetsiel im Südosten. Die Stellung des Turmes neben der Kirche hat ihren Grund in dem hierzulande nicht sehr tragfähigen Baugrund. Durch das Läuten der Glocken entstehen Schwingungen im Turm. Eine feste Verbindung mit der Kirche würde zu Rissen im Bauwerk führen.

Die Glocken, die heute zum Gottesdienst rufen, bekam die Gemeinde Ostern 2013. Es sind drei Bronze Glocken, gegossen 1958 in Karlsruhe, die aus der Kreuzkirche in Mannheim übernommen wurden.


Kirchenglocken gliedern die Tage. Sie erinnern uns daran, dass es noch mehr gibt als die Welt, in der wir Tag für Tag unser Leben zu bestehen haben. Sie rufen natürlich auch zur Teilnahme an Gottesdiensten oder zum ganz persönlichen, stillen Gebet. Und sicherlich mahnen sie auch, dass wir nicht Gottvergessen, Weltvergessen, Selbstvergessen durch die Tage taumeln. Und so manch eine und einen, der sie unverhofft hört, trösten sie: Gottes Gegenwart wird hörbar.

So transportieren die einzelnen Glocken ihre eigene Botschaft. Das ermöglicht es, dem Geläut unterschiedliche inhaltliche Akzente zu geben.

Sehen Sie hierzu bitte gerne in die Läuteordnung.

Die zwei Vorgängerglocken aus Stahl wurden im 08.12.1924 der Gemeinde übergeben. Die E-Glocke (1,55 m, 1510 kg) trug die Inschrift „Wir gaben die Bronze zu Deutschlands Wehr, wir nehmen nun Stahl zu Gottes Ehr“. Die G-Glocke trug die Schrift „Nach Krieges Zeit in schwerer Zeit, dem Herrn geweiht“. Sie steht heute draußen am Seiteneingang der Kirche.

Schon im 14. Jahrhundert gab es eine Uhrenglocke (0,58 m) und eine große Glocke, gegossen 1652 von Eppe von der Ark.

Die erste Glocke im „Klock-Turm“ aber war die große Glocke, 1460 gegossen von Ghert Klinghe, einem Mitglied der berühmten Glockengießerfamilie Klinghe aus Bremen, der im ganzen Küstenbereich großartige Taufbecken und Glocken aus Bronze zu verdanken sind (so u.a. in Eilsum, Esens, Groothusen, Pilsum).

Ghert Klinghe, gab der Marien-Glocke die folgende, überlieferte Inschrift: „Maria ick hete, de van Grete hebbe mi laten geten anna dni 1460. Ick ben goten in unser leven vruun ere, do junker olrik was uses landes here, her alber kerkhere, remt unde ene (Enno?) kerkvoqde weren, onno voget, affe und ebene der kerken vrunde, gert klinge de mi gegoten hat, got geve sine seele rat uke aldsna“.